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Ein Jahr danach …

Eine Frage, die ich fast noch häufiger als „Und, was macht die Kinderplanung?“ gestellt bekomme ist „Was machen eigentlich eure Cafépläne? Sind sie wirklich komplett auf Eis gelegt?“. Und deshalb habe ich mich dafür entschieden, auch diese Frage hier auf dem Blog zu beantworten.

Es ist manchmal gar nicht so einfach, Privates und Berufliches zu trennen, wenn man einen persönlichen Blog schreibt. Viel von meiner Persönlichkeit fließt in meine Texte, und dennoch möchte ich einen Großteil meines Privatlebens auch wirklich privat halten. Manchmal ein Balanceakt.

Nachdem ich Anfang letzten Jahres von unseren großen Plänen erzählt hatte und die Resonanz darauf größer und positiver war, als ich es mir jemals erträumt hatte, war es nur fair euch Lesern gegenüber, auch darüber zu schreiben, dass wir die nervenaufreibende Locationsuche aufgegeben haben.

Obwohl wir uns fest vorgenommen hatten, das Café nur in die Tat umzusetzen, wenn wir die perfekte Location finden würden, und es eine sehr bewusste Entscheidung war, diesen Vorsatz auch nicht zu ändern, fühlte es sich wie ein Scheitern an.

Wir hatten so hart an unseren Plänen gearbeitet und ein Konzept aufgestellt, von dem wir zu 100% überzeugt waren. Wir hatten so großen Ehrgeiz, all diese Pläne in die Tat umzusetzen, sprühten nur so vor Ideen und waren sogar bereit dafür, unsere große Leidenschaft – das Reisen – erst einmal aufzugeben. Immerhin planten wir etwas wirklich Großes.

Mir ging es bekanntlich ganz und gar nicht gut, da mich die unzähligen Enttäuschungen enorm belasteten, aber die Sache öffentlich zu machen, machte es in dem Moment noch schlimmer – auch wenn irgendwann die Erleichterung folgte. Ich kann mich noch so gut daran erinnern, wie ich zitternd dasaß, als ich auf „Veröffentlichen“ klickte und meinen Artikel online stellte.

In den Monaten darauf planten wir unsere Auszeit im Januar und Februar auf Bali und in Australien und es erfüllte mich mit riesengroßer Freude, für längere Zeit an Lieblingsorte zu reisen, auch wenn es eben genau diese Orte waren, an denen Jahre zuvor unsere großen Pläne entstanden.

Es war ein langsamer Prozess und es versetzte mir in den Wochen, nachdem wir unsere Locationsuche beendet hatten, immer wieder einen Stich, wenn wir ein freies Ladenlokal sahen oder ich eine Mail bekam, ob wir es uns nicht doch noch einmal anders überlegen wollten. Vermutlich werde ich nie wieder neutral an einem „Zu Vermieten“ Schild vorbeilaufen. Und ein komisches Bauchgefühl werde ich auch für immer haben, wenn ich an „unserem Ladenlokal“ (Ja, es war damals wirklich alles fix – ich würde die Geschichte zu gerne erzählen, aber das kann ich an dieser Stelle leider nicht tun) vorbeilaufe.

Aber: Es tut nicht mehr weh. Der Januar und Februar haben mir unfassbar gut getan und ich bin mit einem extrem positiven Gefühl zurückgekehrt. Tiefschläge lassen einen wachsen – das klingt wie eine Floskel und dennoch kann ich sagen, dass das stimmt.

Und ich habe aktuell – vielleicht sogar das allererste Mal in meinem Leben – das Gefühl, wirklich angekommen zu sein. Die berufliche Situation, München, unserer Freundeskreis … Alles fühlt sich gut und richtig an. Mein Job macht mir so viel Freude und bin so dankbar dafür, zusammen mit Chris an diesem Herzensprojekt zu arbeiten. Wir haben tolle Pläne, sind unser eigener Chef und können frei entscheiden, wie wir unseren beruflichen Weg gestalten. Wir arbeiten jeden Tag sehr hart, aber dafür selbstbestimmt – und das ist sehr, sehr kostbar. Josie loves läuft aktuell besser denn je, wir haben das Glück, mit vielen tollen Partnern zu arbeiten, die Welt zu bereisen und unseren Traum zu leben. Wir arbeiten seit über acht Jahren an unseren Blog-Baby und es erfüllt mich mit Glück zu sehen, wie sich alles entwickelt hat.

Ich stelle mir manchmal die Frage, wie es wohl wäre, wenn wir jetzt unser Café hätten. Dann wären wir im Winter nicht der Kälte entflohen, hätten im Juni nicht Peru kennengelernt und würden ganz sicher nicht auf Silvester auf Hawaii blicken. Natürlich hätten wir dann andere spannende Herausforderungen, auf die ich mich damals sehr gefreut habe – aber mit etwas Abstand sehe ich auch, wie unfassbar toll es ist, dass aus diesem Tiefschlag etwas so Tolles entstehen konnte. Wir haben uns noch mehr auf das Reisen fokussiert – und das fühlt sich so gut an.

Vor kurzem gab es übrigens diese völlig unerwartete Situation, dass da plötzlich eine wirklich tolle Location zum Greifen nah war. Und kurz habe überlegt „Was wäre wenn …“, das muss ich ehrlich sagen. Aber wir haben uns dagegen entschieden, uns darum zu bemühen und uns wieder in die Planung zu stürzen. Denn warum immer noch Neuem streben, wenn man mit dem Hier und Jetzt so glücklich und zufrieden ist, wie man es selten zuvor war? Die Caféplanung war zu weit weg und fühlte sich zu diesem Zeitpunkt einfach nicht mehr richtig an. Wir waren nicht bereit – nicht MEHR bereit, all unsere Reisen, unsere Freiheit und Selbstbestimmtheit aufzugeben.

Wer weiß, vielleicht eröffnen wir in fünf Jahren ja doch noch ein Café, weil wir bei einer unserer Reisen ein Konzept sehen, das so überragend ist, dass wir Feuer und Flamme sind, es nach München zu bringen. Vielleicht wandern wir aber auch aus oder machen in fünf Jahren etwas völlig anderes, an das wir aktuell nicht im Traum denken würden. Man weiß nie, was die Zukunft bringt und man sollte sich niemals vor Neuem verschließen. Aber manchmal ist es auch einfach genau richtig, das Hier und Jetzt zu genießen, wenn man merkt, wie gut es einem tut.

Und mal ehrlich: Gibt es etwas Schöneres, als sagen zu können „Mich erfüllt das, was ich tue?“


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6 COMMENTS

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S
Stefanie
Ich kann eure Entscheidung sehr gut nachvollziehen und ergänze die „wie es wohl wäre wenn“-Liste um - dann haette ich gar nicht mehr so viel Inspiration von meinem liebsten Blog 💞 schönen Sonntag für euch!
07
10
2018
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A
Anja
Dieses Gefühl sollte man definitiv genießen und leben. Toll! Was kann es besseres geben. Liebe grüße aus Rosenheim!
07
10
2018
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A
Anne
Toll, dass du aus der Geschichte so eine positive Einstellung gewinnen konntest. Genieß deine momentane Zufriedenheit :) ich bin gespannt und werde deinen Weg verfolgen, egal wo er auch hinführen mag!
07
10
2018
18
R
Liebe Sarah, Irgendwann kommt für euch beide der richtige Zeitpunkt für euer Café. Und wenn das dann so weit ist, werde ich dort gerne vorbei schauen. Manchmal tut es gut, die Dinge mit etwas Abstand zu betrachten. Dir eine tolle Zeit & einen schönen Sonntag! Viele Grüße Rica
07
10
2018
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H
Hannah
Es gibt NICHTS Schöneres und ich wünsche Euch, dass diese Zeit noch sehr, sehr lange andauert. LG Hannah
08
10
2018
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V
Vroni
Freue mich dass es dir aktuell besser denn je geht. Das ist so wichtig! Guten Wochenstart und freue mich schon auf das Update :)

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