Josie loves Logo gross Josie loves Logo klein

Die große 4

Rahmen

Wow. Ich erinnere mich noch genau daran, wie ich vor fast zehn Jahren an meinem Laptop saß und meine Kolumne „Die große 3“ schrieb. Damals kreisten meine Gedanken um eine Zahl, die sich für mich unglaublich groß anfühlte. 30. Diese magische Grenze zum „richtigen Erwachsensein“. Eine Zahl, die in meinen Zwanzigern noch unfassbar weit weg schien.

Nun sind zehn Jahre vergangen. Einerseits fühlt es sich wie eine Unendlichkeit an, andererseits ist die Zeit wie im Fluge vergangen. Und ja, dieses Jahrzehnt bedeutet auch: In genau zwei Monaten werde ich 40. Ja, VIERZIG. Allein das Wort hat Gewicht. Die 40 ist eine Zahl, die irgendwie nach Lebensmitte klingt. Nach einem neuen Kapitel. Nach „mittlerem Alter“. Und ganz nüchtern betrachtet ist es das auch. Denn wenn man von durchschnittlich 80 Sommern ausgeht, dann markiert die 40 genau die Halbzeit. Puh, ein Gedanke, den ich erst einmal sacken lassen muss.

Ganz ehrlich? Meine Dreißiger hatten es in sich. Sie waren intensiv. Im positiven wie im negativen Sinne. Da war eine Pandemie, die die ganze Welt auf den Kopf stellte und unser Leben von einem Tag auf den anderen veränderte. Dinge, die selbstverständlich schienen, waren plötzlich nicht mehr möglich. Pläne wurden verschoben, Gewissheiten verschwanden und wir alle mussten lernen, mit Unsicherheit umzugehen. Auch in den Jahren danach.

Aber nicht nur die Welt hat sich verändert. Auch das eigene Leben. Die Dreißiger waren für viele von uns die Zeit, in der sich Lebenswege immer stärker auseinanderentwickelten. Familiengründung, Karriere, Trennungen, Umzüge, neue Prioritäten. Während in den Zwanzigern alle mehr oder weniger in einem ähnlichen Lebensabschnitt unterwegs waren, wurden die Unterschiede plötzlich größer. Fun Fact: meine beste Freundin hat über dieses herausfordernde Jahrzehnt sogar ein Buch geschrieben: Less Stress in your 30s.

Nicht jede Verbindung übersteht es, wenn Menschen sich verändern oder unterschiedliche Wege einschlagen. Manche Verbindungen enden laut, andere ganz leise. Das gehört zum Erwachsenwerden vermutlich genauso dazu wie die schönen Dinge. Was mich beim Rückblick auf die vergangenen Jahre besonders berührt hat, ist die Erkenntnis, welch tolle Menschen ich in meinem Leben habe. Zum Teil schon seit mehreren Jahrzehnten. Wer nicht nur in den guten Zeiten da ist, sondern auch dann, wenn das Leben gerade nicht rund läuft. Wenn man selbst zweifelt. Wenn man mal nicht die Immer-Happy-Version von sich selbst ist und Unterstützung braucht. Ich bin so unglaublich dankbar dafür, mehrere Personen in meinem Leben zu haben, die ich mitten in der Nacht anrufen könnte, wenn ich Hilfe brauchen würde. Die immer für mich da sind.

Ich bin dankbar für die Konstanten in meinem Leben. Für Chris, enge Freundinnen und meine Eltern, die mich schon immer bedingungslos unterstützt haben. Und ja, auch mit fast 40 genieße ich manchmal noch den Moment „einfach nur das Kind meiner Eltern“ zu sein. Auch wenn sich das umeinander kümmern mittlerweile auch oftmals verschiebt. Die Eltern häufiger uns um Rat fragen, als andersrum. Die sozialen Medien, die Digitalisierung und so. If you know, you know.

Und was ist nun anders als mit 30? Vor allem eines: Ich weiß viel genauer, wer ich bin. Mit 30 hatte ich zwar viele Vorstellungen davon, wie mein Leben aussehen sollte. Aber vieles davon war noch geprägt von Erwartungen, Fragen und Möglichkeiten. Mit fast 40 fühlt sich das anders an. Die wohl größte Lebensentscheidung haben Chris und ich gemeinsam getroffen: keine Kinder zu bekommen. Über diesen Weg und die Gedanken dahinter habe ich erst kürzlich ausführlich geschrieben.

Was sich gut anfühlt: Ich kenne meine Stärken besser. Aber auch meine Schwächen. Ich habe nach einer persönlichen Krise eine Therapie gemacht und so vieles aufgearbeitet. Und ich sehe meine Therapeutin nach wie vor regelmäßig. Kurze Randnotiz: Ich kann nur immer und immer und immer wieder betonen, wie kostbar die Möglichkeit ist, eine Therapie zu machen. Und wie wichtig es ist, sie zu ergreifen, wenn man mit Themen struggelt. Nicht erst, wenn die große Krise da ist.

Ich weiß, was mir wichtig ist. Und was nicht. Natürlich habe ich längst nicht auf alle Fragen eine Antwort. Aber ich habe gelernt, dass das völlig in Ordnung ist. Früher dachte ich, Erwachsensein bedeutet, irgendwann alles zu wissen und immer genau zu wissen, was man tut. Heute glaube ich: Erwachsensein bedeutet vielmehr, mit Unsicherheiten leben zu können. Entscheidungen zu treffen, obwohl man nicht alle Antworten kennt. Und zu akzeptieren, dass sich manche Dinge erst unterwegs ergeben. Das schaffe ich natürlich auch nicht immer, aber immer häufiger.

Eine kurze Geschichte am Rande: Zu meinem 30. Geburtstag schenkte ich mir selbst meine erste (und einzige) Chanel-Tasche. Auch wenn ich nie ein wirklich materialistischer Mensch war und Glück immer anders definiert habe, war ich lange in der Modebranche zuhause. Besondere Stücke von Luxusmarken hatten für mich damals einen gewissen Zauber, Designerstücke standen definitiv weit oben auf meiner Wunschliste. Wenn man mich heute fragen würde, was ich mir zum 40. wünsche, fiele mir vermutlich kaum ein Gegenstand ein. Auf meiner Wish List steht kein Designerstück. Was ich mir heute wünsche, sind gemeinsame Zeit, echte Erlebnisse und Momente mit den Menschen, die ich liebe.

Wenn ich auf die letzten zehn Jahre zurückblicke, sehe ich viele wunderbare Erinnerungen. Marmeladenmomente. Das ganz große Glück. Aber auch Herausforderungen. Momente, die Kraft gekostet haben. Erfahrungen, die ich mir nicht ausgesucht hätte. Und trotzdem haben genau diese Erfahrungen mich zu dem Menschen gemacht, der ich heute bin. Und ich bin stolz auf diesen Menschen und bin neugierig auf einen neuen Abschnitt.

Und wenn ich eines aus den vergangenen zehn Jahren gelernt habe, dann das: Das Leben wird nicht automatisch leichter. Aber mit der Zeit lernt man, besser mit Herausforderungen umzugehen. Man lernt, worauf es wirklich ankommt. Und man schätzt die schönen Momente so viel mehr. Denn nichts davon ist selbstverständlich.

Also ja: In zwei Monaten werde ich 40. Und ich freue mich auf das neue Kapitel. Notiz an mich: Es ist jetzt wirklich allerhöchste Zeit, endlich zu entscheiden, wie ich diesen großen runden Geburtstag denn nun gebührend zelebriere!

Mehr zu dem Thema: Und plötzlich ist man doch „so richtig erwachsen“


YOU MAY ALSO LIKE

Schreibe einen Kommentar