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Wie wertvoll unser Miteinander ist

Es gibt Serien, die man nebenbei laufen lässt, die einen einfach nur oberflächlich berieseln. Und solche, die einen noch lange beschäftigen. Über die man mit Freundinnen spricht, nachdenkt, fast ein bisschen wehmütig ist, wenn sie vorbei sind.

Letzte Woche haben Chris und ich die zweite Staffel von Shrinking beendet, und selten hat mich eine Serie so sehr zwischen Lachen und Tränen in den Augen hin- und hergeworfen. Falls ihr sie noch nicht gesehen habt: Bitte lasst sie euch nicht entgehen. Ja, allein dafür lohnt sich das Apple TV+ Abo (Keine Werbung, sondern nur eine Herzensempfehlung).

Die hochkarätig besetzte Serie zeigt Jessica Williams, Harrison Ford und Jason Segel in den Hauptrollen. Grandios sind aber vor allem auch Christa Miller und Michael Urie in den Nebenrollen. Shrinking ist nicht nur ausgesprochen unterhaltsam, sondern vor allem eine Geschichte, die tief berührt und nachklingt. Die Serie ist übrigens von den Machern von Ted Lasso, einer unserer absoluten Lieblingsserien. Und nachdem uns schon die erste Shrinking-Staffel begeistert hatte, mochten wir die Fortsetzung sogar noch lieber, da die Charaktere noch einmal mehr Tiefe bekamen.

Shrinking schafft es, auch Tabu-Themen gnadenlos ehrlich aufzugreifen und lebt davon, dass die Charaktere alles andere als perfekt sind. Überfordert, verletzt, manchmal egoistisch, oft ungeduldig. Kurz gesagt: Sie sind menschlich.

Die wertvolle Botschaft: Es geht nicht darum, fehlerfrei zu sein, sondern darum, wie wir mit unseren Fehlern und Schwächen umgehen. Ob wir uns zurückziehen oder das Gespräch suchen. Ob wir Hilfe zulassen. Professionelle Hilfe im Sinne von einer Therapie, aber vor allen Dingen auch Hilfe im Gespräch mit Menschen, die uns nahestehen.

Heilung und Wachstum verlaufen nicht linear, Rückschläge gehören dazu. Entscheidend ist, wie wir ihnen begegnen. Ein Learning, das ich auch selbst schon hatte.

„Sich öffnen und miteinander reden“ klingt so simpel, ist aber oftmals unglaublich schwierig. Doch nur das „darüber Sprechen“ bringt uns voran, Schweigen schafft meist Distanz. Ein Lese-Tipp an dieser Stelle: Wie geht es dir (wirklich)?

In einer (Social-Media-) Welt, die „Good vibes only“ feiert und Probleme gerne ausblendet zeigt Shrinking: Beziehungen leben nicht nur von Leichtigkeit. Sie brauchen auch Mut. Für Trauer, Schmerz, Konflikte, für Sätze wie „Das hat mir wehgetan“ oder „Ich habe Angst“.

Wir leben in einer Zeit, in der Selbstoptimierung (Auch darüber schrieb ich im letzten Jahr eine Kolumne: Über den Social Media Selbstoptimierungswahn) eine fast schon beängstigend große Rolle eingenommen hat. Auf Social Media dreht sich alles darum, wie man fitter, glücklicher, produktiver, tougher wird. Alles schön und gut. Doch so sehr Social Media das Bild eines perfekten, optimierten Lebens zeichnet, so brauchen echte Beziehungen mehr als nur Leistung und Glücksmomente. Heilung, Freude, auch Trauerbewältigung entstehen nicht im Alleingang.

Dabei geht es nicht darum, sich selbst und die eigenen Bedürfnisse immer hintenanzustellen. Das Ideal liegt irgendwo in der Balance zwischen Grenzen setzen und offen bleiben. Ich kenne dieses People-Pleasing-Muster by the way nur zu gut. Das ständige Bedürfnis, allen gerecht werden zu wollen. Und ich musste lernen, wie wichtig es ist, klare Grenzen zu ziehen. Auch wenn dies manchmal unendlich schwer scheint.

Als ich vor zwei Jahren durch eine große Krise ging, waren es neben der Therapie vor allem die Gespräche mit Herzensmenschen, die mir so sehr geholfen haben. Mit Chris, meiner Familie, meinen engen Freundinnen. Das Gefühl, nicht alleine zu sein, war der Schlüssel. Ich kann gar nicht oft genug betonen, wie dankbar ich für meinen „Inner Circle“ bin. Die Menschen, die in meiner Krise für mich da waren, und die mich ebenso jederzeit anrufen können, wenn es ihnen einmal nicht gut geht.

Es sind meist nicht die großen Gesten, die zählen, sondern die kleinen: das Zuhören, ein gemeinsames Lachen, ein ehrliches Gespräch. Erst am Wochenende saßen wir wieder mit engen Freund*innen zusammen, und an diesem Abend sprach jede/r von uns auch über Themen, die uns belasten. Und obwohl – oder gerade weil – es nicht immer leicht ist, über solche Dinge zu sprechen und das Gespräch nicht unbedingt zu einer „Lösung“ führt, fühlt man sich danach fast immer besser: weil man seine Sorgen geteilt, Dinge ausgesprochen und Empathie gespürt hat. Das hilft beim Verarbeiten.

Am Ende sind es doch nicht die abgehakten Selbstoptimierungs-To-Do-Listen, sondern vor allem die geteilten Momente, die uns durch diese wilde Achterbahnfahrt namens Leben tragen.

Und nun möchte ich wie immer gerne das Wort an euch übergeben: Wann hat euch zuletzt eine Serie nicht nur unterhalten, sondern wirklich bewegt?


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3 Kommentare

  • 22
    08
    2025
    25
    Carmen

    Einfach schöne und wahre Worte, danke und Serientipp ist gemerkt

  • 26
    08
    2025
    25
    Anna

    Sehr schön geschrieben! Besonders bei dem Punkt „es tut so gut zu hören, dass man mit Problem / Sorge X nicht alleine ist“ habe ich mich wiedergefunden.

    P.S.: Letzte Wochen haben mein Mann und ich begonnen, „Ted Lasso“ zu schauen – so eine herzerwärmende Serie 😍

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