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You Can’t Have It All …

Reich und berühmt zu sein, ist für viele das, was sie für erstrebenswert halten. Dass das erste und erst recht nicht das zweite automatisch auch “glücklich sein” bedeutet, das wissen wir schon lange. Momentan besingt auch Justin Bieber – der wohl das Paradebeispiel für “reich und berühmt” ist – in seinem Song “Lonely” die Schattenseiten des Ruhms.

„What if you had it all but nobody to call?“

Ein Punkt, den wir immer wieder von sehr erfolgreichen, meist in jungen Jahren bekannt gewordenen Künstlern hören: Was bringen Ruhm, Geld und oberflächliche Beliebtheit, wenn man einsam ist? Wenn man von Millionen bejubelt wird, aber man sich eigentlich nur nach Liebe, Freundschaft und echter Zuneigung sehnt? Ich kann mir vorstellen, dass es sehr schmerzhaft ist, wenn man von außen immer wieder zu hören bekommt “wie glücklich man doch sein muss, weil man ja alles hat.” – und niemanden interessiert, wie es im Inneren aussieht.

Nun gut, mit dem “reich und berühmt, aber einsam”-Problem müssen sich wohl die wenigsten von uns herumschlagen. Aber ganz sicher mit anderen Kompromissen und Entscheidungen, denn “man kann nicht alles haben” gilt vermutlich für (fast) jeden von uns. Was gewiss nicht heißt, dass man unglücklich sein muss, wenn man sich bewusst gegen etwas entscheidet, das man eigentlich gerne mag -aber das aufgrund etwas “Größerem” nicht machbar ist.

Unser Leben ist eine Abfolge von Entscheidungen. Es wird immer ein “aber” geben. Einen Verzicht auf gewisse Dinge, um einen größeren Schritt gehen zu können, der besonders glücklich macht. Das beste Beispiel ist sicherlich für die meisten die Entscheidung für Kinder, die zwar für die Eltern viel Positives bringen, aber eben auch eine Änderung des bisher gekannten Lebens und der Verzicht auf viele Dinge bedeuten.

Oder aber die Auswanderung an einen Sehnsuchtsort, die auch immer “Abschied” und eine größere Distanz von Lieblingsmenschen bedeutet. Im kleinen Stil haben wir dies bei unserer Weltreise gemerkt. So viel Glück, so viele besondere Momente, aber eben auch “soooo weit weg” von den Lieben und unserer kleinen Josie – und im Gegensatz zur Auswanderung der Verzicht auf ein festes Zuhause für über ein Jahr. Aber klar: Man kann nicht zugleich jede Nacht im gleichen Bett schlafen und die Welt sehen. Man wird für große Schritte im Leben immer etwas zurücklassen oder aufgeben. Das ist der Lauf des Lebens. Wenn man sich für einen Umzug entscheidet, wird es (fast) immer etwas geben, das man wehmütig zurücklassen muss.

Und irgendeinen Kompromiss wird man auch im absoluten Traumjob immer eingehen müssen. So sehr ich meine Selbstständigkeit liebe und ich sie gegen keinen Job der Welt eintauschen würde, so gibt es dennoch Momente, in denen ich diejenigen beneide, die um 18 Uhr ihre Arbeit beenden und abends oder an den Wochenenden nie etwas mit ihrem Job zu tun haben. Dennoch würde ich für kein Geld der Welt jemals wieder eine Festanstellung eingehen. Ich liebe meine Selbständigkeit – und bin gerne bereit, dafür Kompromisse einzugehen.

Diese Liste könnte ich ewig so weiterführen und noch unzählige kleine und größere Entscheidungen aufzählen, die man im Laufe seines Lebens treffen muss. “Alles” ist eigentlich fast nie möglich. In kaum einem Bereich.

Aber ganz ehrlich? Man braucht ganz sicher nicht “alles” um glücklich zu sein. Und es kann sogar furchtbar ermüdend sein,  nach diesem ” alles haben” zu streben. Wichtig für das eigene Glück ist, dass man für sich selbst abwägt, welche Kompromisse man bereit ist einzugehen. Was sich richtig anfühlt. Auf was man verzichten kann und möchte, um etwas anderes zu haben.

Wenn ein Verzicht auf etwas so schwer ist, dass es sich auch nach einer gewissen Zeit noch unerträglich anfühlt, dann war die Wahl vielleicht nicht die richtige. Und auch wenn es manchmal unangenehm ist, sich selbst einen Fehler einzugestehen: Nicht alle Entscheidungen sind in Stein gemeißelt, so viele können rückgängig gemacht werden. Denn ja, manchmal merkt man auch erst, wenn man etwas nicht mehr hat, wie wichtig es war.

Man kann nicht in der Berliner Innenstadt leben und zugleich einen riesigen Garten haben. Genauso wie man im Haus mit eben diesem riesigen Garten im 500-Seelen-Dorf auf dem Land nicht all die grenzenlos erscheinenden Möglichkeiten haben kann, die eine Großstadt bietet. Für den einen ist das eine Lebensmodell richtig, für den anderen das andere. Und auch wenn ich so, so happy bin, im Zentrum Münchens zu leben, vermisse ich manchmal den kleinen Garten, den wir in unserer Wohnung am Stadtrand hatten. Aber möchte ich dorthin zurückziehen? Gewiss nicht. Der Verzicht auf den Garten bietet uns in anderen Punkten so viel mehr Lebensqualität. Und genau diese Lebensqualität bedeutet für Chris und mich “Glück” – und das ganz ohne eigenen Garten.

An dieser Stelle würde ich sehr gerne eure Gedanken zum Thema hören. Was geht euch durch den Kopf, wenn ihr “man kann nicht alles haben” hört? An welche Situation bzw. welchen Kompromiss denkt ihr? Oder eine andere Frage, deren Antwort mich sehr interessiert: Gibt es unter euch jemanden, der sagen würde, dass er tatsächlich ALLES hat?


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1 Kommentar

  • 27
    11
    2020
    20
    C
    Caro

    Hallo Sarah,

    Sehr interessante Kolumne und ich kann dir in Vielem recht geben.

    Von außen scheint mein Leben auch perfekt und wahrscheinlich wirkt es auch so für Menschen die mir nahe stehen. Denn, dafür dass och Mitte 20 bin, stehe ich recht gut dar. Ich habe einen Job den ich liebe und mir super viel Spaß nacht, eine große Wohnung in perfekter Lage,die meiner Mutter gehört und ich somit keine Miete zahlen muss, einen tollen Freund und auch sonst “fehlt” mir an nichts, weder finanziell noch materiell. Klar wünsche ich mir ein Haus, aber da ich noch jung bin steht das erst in der Zukunft.
    Die Schattenseiten sind, dass ich mich oft einsam fühle und nicht verstanden. Ich habe eine schlechte Bindung zu meinen Eltern und nur wenige Freunde. Das schätzt ich eigentlich sehr, da ich große Freundeskreise nicht mag, aber wenn sich nach und nach fast jeder abwendet ist das etwas traurig.
    Das ist halt im Momebt der Verzicht den ich eingehen muss und durch die schlechte Bindung zu meinen Eltern mich wahrscheinlich mein Leben lang prägt und verfolgt.

    Caro

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