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Über kleine und riesige Päckchen, die wir mit uns herumtragen

Rahmen

Am Freitagmorgen schrieb ich ein paar sehr ehrliche Worte in meiner Instagram Story, auf die ich ein überwältigendes Feedback von euch bekam. Mein Postfach sprudelte über. So viele persönliche Geschichten, Sorgen, Ängste, so viele „mir geht es ganz genauso“-Nachrichten. Grund genug, auch hier ein paar Gedanken mit euch zu teilen. Für diejenigen, die meine Story nicht gesehen haben oder mir nicht auf Instagram folgen, erst einmal kurz zusammengefasst, wovon ich hier überhaupt spreche.

Am Montag hatte ich im Update bereits geschrieben, dass die letzte Woche nicht meine liebste war. Vorfreude auf eine neue Woche, die so viel besser werden sollte. Und obwohl wir Zeit in Südtirol verbrachten und beruflich ein sehr schönes Hotel kennenlernen durften, stand die heute endende Woche der letzten in nichts nach. Im negativen Sinne. Und ich finde es manchmal unfassbar schwierig, die Balance zwischen „nicht so viel Privates preisgeben“ und „nicht so zu tun als wäre alles super, wenn es nicht so ist“ zu finden.

In all den Kolumnen und Josie loves Artikeln, in denen auch immer ganz viel von mir als Person steckt, gebe ich dennoch nur einen Bruchteil von meinem wirklichen Privatleben preis. Es gab noch nie den „direkt aus meinem Alltag“-Social Media Livestream, und das ist auch gut so. Privates bleibt fast immer privat. Auf diesem Blog und den Social Media Kanälen möchte ich mich primär den schönen Dingen des Lebens widmen, euch inspirieren, Tipps mit euch teilen. Aber dennoch ist es mir immer auch wichtig, mit meinen Kolumnen regelmäßig zum Nachdenken anzuregen und auch zu betonen, dass eben nicht 24/7 alles „Friede, Freude, Eierkuchen“ ist. Denn das finde ich in der Social Media Welt durch und durch toxisch. Kurze Notiz am Rande: Mehr zu diesem Thema hatte ich hier geschrieben: „Hinter den Kulissen …

Long Story Short: Am Freitag war bei mir „einer dieser Tage“. Ein Tag an dem mir alles etwas zu viel war. An dem viel Unschönes auf mich einprasselte und ich schlicht und einfach überfordert, traurig, enttäuscht und ernüchtert war, weil schon wieder aufgrund der Corona Pandemie ein für uns wichtiges Reise-Job-Projekt abgesagt wurde. Ich kann gar nicht mehr zählen, wie oft das in den letzten eineinhalb Jahren passierte. Aber an diesem Wochenende traf mich das in Kombination mit einigen weiteren negativen Dingen mehr als sonst. Und das ist dann einer der Momente, in denen mich mein Tinnitus, mit dem ich sonst recht gut (mal mehr, mal weniger) zu leben gelernt habe, fast in den Wahnsinn treibt.

Wieso ich das alles niederschreibe? Weil ich weiß, dass ich mit diesen Gefühlen nicht alleine bin. Und weil ich es wichtig finde, diese Gedanken zu teilen. Jeder von uns hat momentan nicht nur ein Päckchen zu tragen. Gemeinsam tragen wir alle das Corona-Päckchen. Genauer gesagt ein riesengroßes, zermürbendes Paket. Wenn ich mich in meinem Umfeld umschaue, dann gibt es da fast niemanden, für den diese Pandemie nicht auch private und/oder berufliche Probleme mit sich brachte. Alle struggeln. Der eine mehr, der andere weniger. Und da ist noch ein ganz entscheidender Punkt: so sehr uns Corona auch beschäftigt, so stehen andere Probleme ja nicht still. Ich persönlich kenne niemanden, der – so glücklich und zufrieden er auch sein mag – nicht auch mit kleinen oder großen Niederschlägen umgehen muss. Das Leben war auch vor Corona eine Achterbahnfahrt. Jeder von uns erlebt privat und beruflich nervige, belastende, oder furchtbar schlimme Dinge, die überhaupt nichts mit der Pandemie zu tun haben. Nur dass aufgrund eben dieser Ausnahmesituation oftmals der positive Ausgleich fehlt, das „Auf“ der Achterbahnfahrt. Und die negativen Corona-Nachrichten nicht plötzlich still stehen, wenn man mit einem großen, privaten Problem zurechtkommen muss. Ja, das kann ab und zu ganz schön viel werden.

Was ich eigentlich sagen will? Seid nett zu euren Mitmenschen. Jetzt mehr denn je! Unterstützt euch gegenseitig, seid nachsichtig mit euren Freunden, nehmt nicht übel, wenn sich jemand aktuell seltener meldet als sonst. Vielleicht hat derjenige gerade einfach nicht die Kraft dazu.

Zelebriert die kleinen schönen Momente, feiert das Leben und verbringt viel Zeit mit den Menschen, die euch wichtig sind. Man weiß nie, wie lange man noch die Gelegenheit dazu haben wird.

Und wenn ihr merkt, dass es einem Herzensmenschen nicht gut geht: Seid für ihn da! Manchmal reicht auch ein kurzes Telefonat, oder sogar nur eine klitzekleine WhatsApp Nachricht, um demjenigen zu helfen und ein Gefühl von „Ich bin für dich da!“ zu geben.


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5 Kommentare

  • 05
    12
    2021
    21
    L
    Laura S.

    Liebe Sarah,
    so schön und wichtig ist dein Artikel.
    Ja die aktuelle Zeit kann sehr frustrierend sein. Mein Impuls in bei Freunden in solchen Phasen – die wir alle haben – war und ist oft zu sagen „Kopf hoch, es geht auch wieder bergauf.“ Und doch dürfen negative Gefühle ja auch einfach mal da sein. Das ist ja nur menschlich. Klar, für länger Andauerndes oder richtige Traumata sollte man sich auf jeden Fall professionelle Hilfe suchen, aber um die geht es ja hier nicht.
    Gerade in einer Zeit in der wir (jetzt mal von Covid unanhängig gesprochen) gesegnet sind mit Frieden, Wohlstand, hoffentlich viel Gesundheit habe ich das Gefühl die Personen werden oft selbst für ihr (Un-)Glück verantwortlich gemacht. Es ist toll zu wissen, dass man „die Fernbedienung des Lebens“ in die Hand nehmen kann und bewusst z.B. durch positive Affirmationen, Powertalks auf Spotify, Achtsamkeit im Alltag… you name it den Kanal von Horrorszenario in den schönsten der Welt switchen „kann“. Nur a) manchmal geht das halt einfach nicht so leicht und b)soll doch auch Mal Platz sein und es auch in Ordnung sein Negatives zuzulassen. Umso schöner, wenn liebe Menschen einen unterstützen und oder man selbst für andere da sein kann. Gestern habe ich ein Video gesehen in Richtung „Unsere Großeltern haben Krieg erlebt und einige beschweren sich über Masken, schätzt mal was ihr habt“. Auch wenn ich dem zustimme ist es nun Mal so, dass Gedanken jeglicher Art die eigene Realität darstellen und wie bei einem Burnout ist bei jedem Menschen die Intensität und Grenze anders… was der oder die eine als beschwerlich wahrnimmt sind für andere vielleicht ein Leichtes und umgekehrt. Jetzt ist dieser Kommentar schon sehr lang-trotzdessen zum Abschluss: Mir hilft ab und an an an eine Geschichte meines Papas zu denken-ich versuche eine Kurzfassung: Ein Bauer unterhält sich jeden Tag mit seinem Nachbarn, er erzählt ihm: Ein Pferd ist ausgebüxt. Der Nachbar sagt „oh je, das ist aber schlecht für dich.“ Der Bauer:“Wer weiss schon, was gut ist und was schlecht ist.“ Am nächsten Tag unterhalten sich die beiden wieder, der Bauer:“Du glaubst nicht was passiert ist, das Pferd ist wiedergekommen und hat eine Herde Wildpferde mitgebracht. Der Nachbar:“Oh wie toll, das ist aber gut.“ Der Bauer: „Wer weiss schon was gut und was schlecht ist.“ Am nächsten Tag treffen sie sich erneut. Der Bauer:“Mein Sohn wollte eines der Wildpferde zureiten und hat sich beim Sturz den Knöchel gebrochen.“Der Nachbar:“Oh je, das ist aber schlecht!“. Der Bauer:“Wer weiss schon was gut ist und was schlecht ist.“ Wieder am nächsten Tag unterhalten sich die beiden. Der Bauer:“Du glaubst nicht was passiert ist, der König wollte meinen Sohn gestern mit in den Krieg nehmen, weil er einen gebrochenen Knöchel hatte durfte er aber hier bleiben.“ Der Nachbar:“Oh, das ist aber gut!“ Du ahnst es-der Bauer sagt „Wer weiss schon was gut und was schlecht ist.“ Die Geschichte ließe sich ewig weiterspinnen… was mir dabei hilft ist die etwas andere Perspektive dass keine/r weiss welche wirklich auf längere Sicht vielleicht sowohl negative als auch positive Auswirkungen Umstände oder Dinge haben können und wie schnell sich beides drehen kann. Deswegen gern öfters durchatmen, inne halten und im Moment einfach öfters „sein“ dürfen mit allen schönen und doofen Gedanken.
    Alles Liebe, Laura

    1. 08
      12
      2021
      21
      S
  • 06
    12
    2021
    21
    A

    Hallo liebe Sarah, vielen vielen Dank für diese ehrlichen Worte! Auch wenn solche Tage natürlich nichts Schönes sind, ist es gut, zu merken, dass man damit nicht allein ist. Auf Social Media geht sonst so viel davon verloren (was ich auch vollkommen nachvollziehen kann – jede*r verdient Privatsphäre). Aber dann sieht man als Follower*in eben auch nur die schönen Seiten. Ich wünsche dir viel Kraft und einen schönen Nikolaustag!

    1. 08
      12
      2021
      21
      S

      Danke, du Liebe! Und Ja, es tut manchmal definitiv gut zu sehen, dass man mit seinen Sorgen und Ängsten nicht alleine ist. :-)

  • 06
    12
    2021
    21
    C
    Caro

    Mir geht es gerade sehr ähnlich wie Dir. Danke für diese Kolumne!

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