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Andere Länder,
andere Sitten

Rahmen

Ich habe schon oft darüber geschrieben, wie sehr Reisen den Horizont erweitert. Wie sehr es mich in den vergangenen Jahren geprägt und meine Sicht auf die Welt verändert hat. Denn zwischen dem Lesen über einen Ort und dem tatsächlichen Erleben liegen Welten. Erst wenn man ein Land bereist, seine Kultur spürt und den Alltag der Menschen mit eigenen Augen erlebt, beginnt man wirklich zu verstehen.

Auch die Gespräche mit Menschen aus aller Welt bereichern mich immer wieder. Sie zeigen mir, wie einseitig die eigene Perspektive manchmal sein kann und dass es so viel mehr gibt als die Kultur, mit der wir in Deutschland aufgewachsen sind. Doch heute soll es nicht um die Privilegien gehen, mit denen viele von uns hier aufwachsen dürfen. Auch wenn es wichtig ist, sich dieser immer wieder bewusst zu werden. Es geht vielmehr um Bräuche und Sitten. Darum, die eigene „Das machen wir eben so“-Bubble zu verlassen und zu erkennen, dass unsere Art zu leben nur eine von vielen ist.

Die Malediven sind einer dieser Orte, an denen Menschen aus aller Welt aufeinandertreffen. Besonders deutlich wurde mir das im vor ein paar Jahren an einem Abend in einem der Themenrestaurants unseres Resorts. Wir waren die einzigen Europäer. Um uns herum saßen Gäste aus Taiwan, Australien, den USA und Saudi-Arabien. Das Team bestand aus Mitarbeitenden von Bali, Japan und den Malediven. Kaum ein Ort hat mir deutlicher gezeigt, wie selbstverständlich unterschiedlichste Kulturen, Sprachen und Gewohnheiten nebeneinander existieren.

Ein ganz simples Beispiel dafür ist das Frühstück (Ihr wisst, meine ganz persönliche Leidenschaft!). Gerade auf Reisen liebe ich es, mich von den unterschiedlichsten Ländern und Kulturen inspirieren zu lassen.

Wie würdet ihr ein typisch deutsches Frühstück beschreiben? Mir fallen sofort Brötchen mit Wurst oder Käse, Joghurt mit Obst sowie Rührei, Spiegelei oder das klassische gekochte Ei ein.

In vielen Regionen Chinas wird traditionell warm gefrühstückt. Dort kommen Suppen, Teigtaschen oder Fleischgerichte schon am frühen Morgen auf den Tisch. Auch in vielen anderen asiatischen Ländern gehören Reisgerichte ganz selbstverständlich zum Frühstück, häufig kräftig gewürzt und herzhaft. Ich habe mich zu Beginn unserer Fernreisen selbst dabei ertappt, wie ich es „irgendwie schräg“ fand, dass auf Bali oder in Indonesien viele Menschen Nasi Goreng zum Frühstück aßen. Im Nachhinein musste ich darüber schmunzeln. Nicht das Frühstück war ungewöhnlich, meine Erwartung war es. Ungewöhnlich war es nur für mich, weil ich anders aufgewachsen bin. Ein kleiner Fun Fact am Rande: Mittlerweile freue ich mich selbst jedes Mal, wenn am Frühstücksbuffet Nasi Goreng angeboten wird.

Und davon gibt es unzählige weitere Beispiele. Nehmen wir unser Schönheitsideal von gebräunter Haut (kleiner Reminder: Sonnenschutz bitte nie vergessen!). In vielen Ländern gilt dagegen helle Haut als besonders erstrebenswert. So sehr, dass dort Whitening-Produkte zur Hautaufhellung verkauft werden. Unser Pendant dazu? Selbstbräuner.

Oder die Begrüßung. Es schadet nie, sich vor einer Reise mit den landestypischen Gepflogenheiten vertraut zu machen. Händeschütteln ist längst kein internationaler Standard. In manchen Kulturen gilt es sogar als unpassend oder wird nur zwischen bestimmten Personengruppen praktiziert. Ähnlich verhält es sich mit Trinkgeld. Während es in einigen Ländern selbstverständlich dazugehört, wird es andernorts kaum erwartet oder sogar als unangebracht empfunden, weil guter Service schlicht als selbstverständlich gilt.

Genau das macht für mich den Reiz des Reisens aus: über den eigenen Tellerrand hinauszuschauen, Neues kennenzulernen und sich auf andere Sichtweisen einzulassen. Diversität ist etwas Wunderschönes. Unsere Art zu leben ist nicht der Maßstab für den Rest der Welt, sondern lediglich eine von vielen Möglichkeiten.

Trotzdem gibt es sie natürlich, diese „Andere Länder, andere Sitten“-Momente, die einen im ersten Augenblick überraschen. Manchmal blickt man nicht nur vorsichtig über den Tellerrand, sondern fällt direkt kopfüber darüber hinaus. Wir haben auf unserer Weltreise unzählige solcher Situationen erlebt und dabei oft Tränen gelacht.

Erinnert ihr euch noch an unsere Reihe „Zehn spannende, amüsante und kuriose Fakten“? Oder an „This is Bali“? Damals wurde uns erst so richtig bewusst, was eigentlich „typisch deutsch“ bedeutet. Vieles, was sich für uns völlig normal anfühlt, wirkt aus internationaler Sicht plötzlich erstaunlich ungewöhnlich. Und genau diese Perspektivwechsel gehören für mich zu den größten Geschenken des Reisens.

Offenheit für andere Kulturen bedeutet für mich allerdings nicht, alles kritiklos hinzunehmen. Es gibt einen Punkt, an dem kulturelle Unterschiede enden und grundlegende Menschenrechte beginnen. Dazu gehört für mich die Gleichberechtigung von Frauen und Männern.

Beklemmend finde ich gesellschaftliche oder rechtliche Strukturen, in denen Frauen weniger Rechte haben oder nicht frei über ihr eigenes Leben entscheiden können. Es macht mich traurig, wenn Frauen beispielsweise nicht selbst sprechen dürfen oder in ihrem Alltag von männlichen Angehörigen abhängig sind. Wusstet ihr, dass Frauen in Saudi-Arabien bis 2019 ohne die Genehmigung ihres männlichen Vormunds nicht einmal das Land verlassen durften? Seitdem wurden zwar einige Reformen umgesetzt, dennoch bestehen weiterhin erhebliche Einschränkungen. Offenheit für andere Kulturen schließt für mich deshalb nicht aus, sich gleichzeitig klar für Gleichberechtigung und Menschenrechte einzusetzen.

Nun möchte ich das Wort an euch übergeben: Welche lustigen, interessanten, kuriosen oder bereichernden „Andere Länder, andere Sitten“-Erlebnisse sind euch besonders in Erinnerung geblieben? Ich freue mich schon darauf, eure Geschichten in den Kommentaren zu lesen.


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