Wow, ich kann selbst kaum glauben, dass ich diese Zeilen tippe, aber ja: Chris und ich leben diesen Monat tatsächlich seit zwanzig Jahren (mit einer „kleinen“ Weltreise-Unterbrechung) in München. Wir werden dieses Jahr beide 40 und das bedeutet auch, dass wir inzwischen unser halbes Leben hier verbracht haben.
Lasst uns zurück ins Jahr 2006 reisen. Ich erinnere mich noch gut an diesen ersten Sommer in unserer neuen Wahlheimat. „Intensiv“ trifft es wohl ganz gut. Wir kamen mit einem großen Traum im Gepäck nach München. Meinem großen Traum: Modejournalistin bei einem Printmagazin zu werden. Das erste Praktikum war der Anlass für den Umzug, danach wollte ich Modejournalismus studieren und einen der begehrten Jobs bei einem Modemagazin ergattern.
Chris kam mit. Weil er an unsere gemeinsame Zukunft glaubte, die Stadt ebenfalls mochte und uns auch ohne konkreten Plan für seine eigene berufliche Zukunft langfristig gemeinsam in München sah. Dafür bin ich ihm bis heute unendlich dankbar.
Aus unserer Anfangszeit in München gibt es so wenige Bilder. Damals hatten wir noch keine Smartphones (okay, wow, jetzt fühlen sich diese zwanzig Jahre direkt noch länger an) und ich habe auf die Schnelle aus dem Jahr 2006 kein einziges gemeinsames München-Foto von Chris und mir gefunden. Deshalb seht ihr an dieser Stelle ein Bild von meinem Abiball, das nur wenige Wochen vor unserem großen Umzug entstanden ist.

2006 fand auch die Fußball-WM in Deutschland statt. Das „Sommermärchen“, das wir alle so sehr zelebrierten. Kleiner Fun Fact am Rande: Wir waren damals einmal zum Public Viewing im P1. Der Club war zu dieser Zeit unglaublich angesagt und für die 19-jährige Sarah war es sooo aufregend, an diesem gehypten Ort, den ich bis dahin nur aus Klatschmagazinen kannte, Zeit zu verbringen.
Unser erstes München-Jahr war von mehr Downs als Ups geprägt. Rückblickend waren wir unglaublich naiv mit unserer Vorstellung, ohne große Rücklagen und mit einem viel zu niedrigen Praktikumsgehalt irgendwie in München zurechtzukommen. Aber wir haben es geschafft. Wir haben nebenbei gejobbt, super sparsam gelebt und vor allen Dingen eines: zusammengehalten.
München war der Ort, an dem wir erwachsen wurden. Der Ort, an dem wir so richtig ins kalte Wasser geschmissen wurden, und gleichzeitig gelernt haben, darin zu schwimmen.
Ich könnte noch viele Zeilen über diese ersten drei Jahre in München schreiben, aber das würde hier den Rahmen sprengen. Deshalb die Kurzfassung: Chris machte zunächst seinen Zivildienst und begann anschließend eine Ausbildung zum Automobilkaufmann. Mein ursprünglicher Plan, Modejournalismus zu studieren, wurde mit dem Angebot eines Volontariats in einer PR-Agentur über Bord geworfen. Darauf folgte dann der absolute Sechser im Lotto: die Möglichkeit, nach einem weiteren Praktikum als Assistentin in der Moderedaktion eines Online-Magazins zu arbeiten. In diesen eineinhalb Jahren habe ich sooo viel gelernt.
Dann folgte ein für mich damals unglaublich großes Job-Drama. Von einem auf den anderen Tag wurde fast dem gesamten Team gekündigt – inklusive mir. Der mächtige Mann im Hintergrund war der Meinung, dass sich mit „online nur kleine Pennies verdienen lassen“. Das war 2009. Little did he know …
2009 wurde ich also „aus der Job-Not heraus“ selbstständig, 2010 ging Josie loves online. Und in den darauffolgenden Jahren änderte sich einfach alles. Ich durfte durch diesen Blog Dinge erleben, von denen ich niemals zu träumen gewagt hätte. Ich durfte die größten Designer der Welt interviewen, hinter die Kulissen von Labels wie Louis Vuitton und Valentino blicken und die Shows meiner Lieblingsdesigner in New York und Paris besuchen.
Manchmal erzähle ich von dieser Zeit und kann selbst kaum glauben, dass wirklich ich diejenige war, die als einzige deutsche Bloggerin die Abschiedsshow von Marc Jacobs für Louis Vuitton in Paris live erleben durfte. Klein-Sarah hätte das niemals für möglich gehalten.
Acht Jahre nach diesem ersten Sommer 2006 entschieden wir uns, die Zelte in München abzubrechen, um auf große Weltreise zu gehen. Damals verabschiedete ich mich emotional von München. Denn ja, der Plan nach der Weltreise lautete: „Dort bleiben, wo es am schönsten ist.“ Und ich hätte zu diesem Zeitpunkt im Leben niemals gedacht, dass wir danach wieder in München landen würden.
Ein unglaublich wichtiges Learning von damals: Es geht gar nicht um dieses „am schönsten“, sondern vielmehr um das „Das passt am besten zu den eigenen Bedürfnissen und der individuellen Lebenssituation“. Auf dieser langen Reise lernten wir so vieles besonders zu schätzen, das für uns vorher selbstverständlich gewesen war. Zum Beispiel, wie sicher München ist. Wie grün. Und wie sauber …
Im Sommer 2015 ordneten wir uns neu, knackten nach ein paar Monaten in einer Übergangs-Airbnb-Wohnung den ultimativen Wohnungsjackpot und durften ins Glockenbachviertel ziehen. Das war im August 2015. Und damit begann für uns ein ganz neues München-Kapitel …
Weiter geht es in den nächsten Tagen mit Teil zwei. Denn ja, es gibt noch sooo viele Gedanken zu den vergangenen Jahren, die ich mit euch teilen möchte – und die würden den Rahmen einer einzigen Kolumne definitiv sprengen.
