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20 Jahre in München –
Teil Zwei

Puh, den zweiten Teil zu schreiben war ehrlicherweise deutlich schwieriger als den ersten. Intensiver. Emotionaler. Denn das zweite München-Jahrzehnt brachte die ein oder andere Gefühlsachterbahn mit sich.

Und ich war mir lange nicht sicher, was davon ich hier wirklich öffentlich teilen möchte. Wie ihr wisst, bin ich hier immer sehr ehrlich. Authentizität ist mir das Allerwichtigste. Gleichzeitig teile ich Privates aber schon immer nur sehr wohldosiert. Ich versuche es trotzdem. Denn all das gehört zu den letzten zehn Jahren genauso dazu wie die schönen Momente.

Eine kleine Geschichte am Rande: Während ich diese Zeilen tippe, sitze ich im Zug nach Erfurt, wo ich meine liebste Carina treffe, die viele von euch als Josie loves Gastautorin kennen. Kennengelernt haben wir uns vor genau 20 Jahren bei meinem allerersten Praktikum in München. Das damals ziemlich herausfordernde Praktikum schweißte uns direkt zusammen und bis heute zählt Carina zu meinen engsten Freundinnen. Ein weiteres 20-Jahre-Jubiläum, das mir unglaublich viel bedeutet. An dieser Stelle auch ein Bild aus der Josie loves Anfangszeit, als wir gemeinsam ein Event in München besuchten.

Doch zurück zur letzten Kolumne, die ich mit unserem Umzug ins Glockenbachviertel im Jahr 2015 beendet hatte. Nach unserer Weltreise wollten wir in München so zentral wie irgendwie möglich wohnen und wir konnten unser Glück gar nicht fassen, als wir tatsächlich eine schöne, bezahlbare Altbauwohnung mit Balkon in unserem Lieblingsviertel ergatterten. Kleiner Fun (eher trauriger) Fact am Rande zum Münchner Wohnungsmarkt: Jahre später war es für uns günstiger, für rund 1.000 Euro ein kleines, separates Büro ein paar Häuser weiter zu mieten, als ein drittes Zimmer in unserer Wohnung aufzustocken.

Unser Plan: ein Café in München eröffnen und nebenbei den Blog führen. Wir bereiteten uns ein Jahr vor, Chris kündigte seinen Job, wir verfassten unseren Businessplan und konnten mit unseren Ideen sogar als Gastro-Neulinge die Bank überzeugen. Anfang 2017 erzählten wir euch hier von unserem großen Projekt. Die Rahmenbedingungen hätten nicht besser sein können. Die Finanzierung stand, Brunch-Cafés gab es zu diesem Zeitpunkt noch kaum in München (kann man heute wirklich gar nicht mehr glauben). Es gab sogar schon Vorab-Presse und täglich kamen Nachrichten, wann wir denn endlich eröffnen. Long story short: im allerletzten Moment platzte unsere Location und wir fanden nichts vergleichbares mehr. Die ganze Geschichte könnt ihr hier nachlesen.

Das Jahr 2017 hatte mental einige Spuren hinterlassen und wir entschieden uns, Anfang 2018 zwei Monate auf Bali und in Australien zu verbringen. Es folgten zwei Jahre, die rückblickend betrachtet herrlich unbeschwert waren und insbesondere beruflich so viel Gutes für uns bereit hielten. Und München fühlte sich ganz genau richtig an. Hier hatten wir unser Netzwerk, es fanden viele Veranstaltungen statt, wir arbeiteten sehr eng mit der Münchner Marke HALLHUBER zusammen und wir entwickelten uns immer weiter von einem Modeblog zu einem Lifestyleblog mit dem Schwerpunkt Reisen. Social Media wurde immer bedeutender und für mich kristallisierte sich mehr und mehr heraus, dass ich zwar gerne Modebloggerin war, aber mich nicht als Influencerin im Modebereich sah. Chris fühlte sich als Reisefotograf sowieso viel wohler als auf den Fashion Weeks dieser Welt und Reisen war unsere große gemeinsame Leidenschaft.

Ich werde nie vergessen, wie ich (schon wieder) auf Bali Anfang 2020 überglücklich durchs Zimmer tanzte, weil wir die Zusage für unseren absoluten Traumjob bekommen hatten: eine Patagonien Expeditionsreise. Ein ganz wichtiger Meilenstein bei der Etablierung unseres Reiseblogs. Und der Kunde buchte damals nicht nur Content auf unseren Kanälen, sondern kaufte auch ein großes Bildpaket. Irgendwie ein bisschen ironisch, dass diese beruflich so wichtige und emotional so besondere Reise im Februar und März 2020 unser allerletztes Vor-Corona-Projekt war. Wir konnten noch nahezu problemlos rund um den Globus zurückreisen. Wenige Tage später begann der Lockdown. Und damit ein berufliches Loch, das deutlich tiefer war, als wir damals ahnen konnten.

Innerhalb kürzester Zeit wurden alle Projekte für die kommenden Monate gestrichen – und plötzlich war da nur noch Leere im Kalender. Hätten wir damals nicht unsere Ersparnisse gehabt, wären wir niemals durch die folgenden drei Jahre gekommen.

Natürlich konnten wir ab einem gewissen Zeitpunkt wieder arbeiten und verschiedene Lifestyle-Projekte umsetzen. Aber das hauptberufliche Reisebloggen – auf das wir so hart hingearbeitet hatten – war für sehr lange Zeit nicht mehr möglich. Zum einen konnte man lange überhaupt nicht reisen, zum anderen brauchte die Reisebranche deutlich länger als viele andere, um sich zu erholen. Entsprechend gab es über Jahre hinweg kaum Budgets und nur sehr wenige Möglichkeiten für neue Projekte.

Doch diese Zeit brachte auch etwas Wunderschönes mit sich: Fiete kam in unser Leben. Wir wünschten uns schon seit Jahren einen Hund, aber waren uns zu unsicher, ob er in unser Leben passen würde. Nach sehr reiflichen Überlegungen, dem Commitment, nach Corona anders zu reisen und Plan A, B und C für die Betreuung, falls wir mal ohne ihn verreisen würden, entschieden wir uns schließlich für das große Abenteuer Hundewelpe. Und das war definitiv eine der besten Entscheidungen unseres Lebens!

Dennoch passierte Anfang 2023 etwas, womit ich niemals gerechnet hätte. Nach zwei Corona-Jahren und einem weiteren, immer noch sehr schleppenden und von weltweiten Krisen geprägten Jahr verließ mich (nach lange zusammengebissenen Zähnen) die Kraft. Ich entwickelte eine Depression, die mir den Boden unter den Füßen wegriss. In dieser Zeit stellte ich plötzlich vieles infrage. Auch den Ort, an dem wir lebten.

Als unsere damals sehr engen Freunde mit Fietes Brüderchen nach Bali auswanderten und uns fragten, ob wir mitkommen möchten, brachte mich das ganz schön ins Straucheln. Bali war für mich zu diesem Zeitpunkt der Inbegriff von Freiheit und Unbeschwertheit und der Kontrast zu unserem damaligen Leben in München hätte kaum größer sein können. Und ich wusste, dass es mein ganz persönlicher Heartbreak werden würde, dass die beiden Hundebrüder sich von da an nicht mehr sehen würden.

Zum Glück konnte sich Chris das in keiner Weise vorstellen und war in diesem Fall die Stimme der Vernunft. Bali wäre ganz sicher nicht die Lösung meiner (und unserer) Probleme gewesen. Mit Abstand gesehen sogar genau das Gegenteil. Dennoch gab es schon lange einen anderen Traum, auf den wir viele Jahre hingearbeitet und gespart hatten: eine Wohnung auf Mallorca zu kaufen und die Wintermonate künftig dort zu verbringen. Auch dieser Traum war durch Corona in unerreichbare Ferne gerückt. Die Sehnsucht nach Sommer, Sonne, Strand und Meer war größer denn je.

Da war etwas in meinem Kopf, an dem ich intensiv arbeiten musste. Die Liebe zu München war weg. Und unsere Wohnung, die immer mein sicherer Hafen gewesen war, verband ich plötzlich mit Lockdown, Panikattacken und dem Gefühl von Perspektivlosigkeit. Das für mich als sensible Person so wichtige Zuhause-Gefühl war verschwunden.

Gleichzeitig wusste ich natürlich, dass ein Umzug innerhalb Münchens überhaupt keinen Sinn ergeben hätte. Immerhin hatten wir unsere Traumwohnung in bester Lage zu einem wirklich guten Preis. Nur dieses Gefühl ließ sich eben nicht rational erklären.

Für mich war das wichtigste Learning der darauffolgenden Jahre: Es gibt verschiedene Versionen ein und desselben Ortes.

Unser heutiges München hat nur noch wenig mit dem München vor Corona gemeinsam. Und das ist überhaupt nichts Schlechtes. Mittlerweile ist München für uns der perfekte Ausgangspunkt für Reisen in die Berge. Es ist der Ort, an dem Freundschaften bestehen, die seit Jahrzehnten halten, und gleichzeitig in den vergangenen Jahren neue, unglaublich wertvolle Menschen in unser Leben gekommen sind. Der Ort, an dem mein engster Freundeskreis heute kaum noch etwas mit der Modebranche zu tun hat. Der Ort, an dem mich meine Therapie zurück zu alter Stärke geführt hat. Der Ort, an dem ich zwar viele Verbindungen zur Modebranche losgelassen habe, sich dafür aber ganz neue berufliche Möglichkeiten ergeben haben. Einer unserer Kunden der letzten Jahre? Die Stadt München. Und das Zuhause-Gefühl in unserer Wohnung? Das ist schon lange wieder zurück!

Wie ein typischer Arbeitstag in München vor zehn Jahren aussah? Vormittags ging es meistens auf ein Beauty-Event, mittags traf ich mich mit einer Kollegin zum Lunch, nachmittags fotografierten Chris und ich Outfits oder Kundenprojekte und abends stand oft noch das Store-Opening einer Modemarke auf dem Programm. Vieles davon teilte ich online.

Heute startet unser Tag mit einem langen Isarspaziergang mit Fiete, gefolgt von ein paar Stunden am Schreibtisch, viel Zeit an der frischen Luft, Sport und einem Abend mit Freunden (ganz ohne Social Media) im Schanigarten. Oder auf dem Tennisplatz.

Und ich mag unser neues München mittlerweile unglaublich gerne.

Den Januar und Februar verbringe ich trotzdem lieber im Süden. Und der Mallorca-Traum? Der lebt auch immer noch. Aber das ist eine ganz andere Geschichte …


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