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Über subtiles Bodyshaming

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Vor kurzem las ich in einem bekannten deutschen Print-Magazin eine Meldung über Fergie. Es waren zwei Bilder von der ehemaligen Black Eyed Peas Frontfrau abgedruckt. Auf einem Foto war sie in einem sexy Fummel auf dem Red Carpet zu sehen, auf dem anderen in einem privaten Schlabberlook – auf diesem zweiten Bild prangte fett „ca. +9kg“. Dazu schrieb die Autorin (Ich habe keine Ahnung, wer das geschrieben hat, aber ich gehe in diesem Fall von einer Frau aus – Männer sind im Normalfall nicht so gehässig), dass Fergie doch immer der „Inbegriff der mondänen Sexbombe“ gewesen sei, sie mittlerweile aber eher „der Typ häusliche Frohnatur“ ist. Und der Zusatz: „Wir mögen beides!“

An dem Umgang mit dieser News – die lediglich als Beispiel dient, aber so oder so ähnlich in jedem zweiten Boulevard- Magazin gerne sogar auf der Titelseite prangt – ist soooo viel falsch.

Zum einen, dass „sehr schlank“ mit „mondäne Sexbombe“ verbunden, und eine völlig normalgewichtige, immer noch schlanke, schöne, weibliche Figur mit “ häusliche Frohnatur“ abgestempelt wird. Meiner Meinung nach könnte sie by the way auch noch mit 10 Kilogramm mehr alias +19kg eine Sexbombe sein. Denn hierbei geht es ganz sicher nicht nur um ein bestimmtes Gewicht, sondern um Ausstrahlung  – ja eben um „Sexappeal“.

Doch was mich wirklich sehr, sehr stört ist, dass es zwar als irgendwie positiv (alias „Wir mögen beides!“) verkauft wird, aber eigentlich nichts anderes als Bodyshaming ist.

Doch das ist nur eines von vielen Beispielen. Es geht auch anders rum. Verfällt wieder einmal jemand dem Magerwahn, nachdem der Druck zu groß geworden ist, gibt es sofort ein Cover mit dem Titel „So dünn wie nie – Müssen wir uns Sorgen um xxx machen?“. Jetzt ist sie also plötzlich zu dünn. Die gleiche Person, über deren „ach so sympathischen Babyspeck“ ein halbes Jahr vorher mit Häme geschrieben wurde.

Da wird Cellulite auf die Titelseite gedruckt, mit dem charmanten Titel „die Dellen Queens!“ Jawohl, auch Kim Kardashian hat Dellen – aber warum um Himmels Willen muss daraus solch eine gehässige Meldung gemacht werden? Fast jede Frau hat Cellulite – man kann es also auch schlicht und einfach als „normal“ bezeichnen. Aber wieso kann „normal“ nicht endlich auch mal „normal“ sein? Jedes Mal aufs Neue ist es ein Riesen-Ding, wenn eine Prominente mit Cellulite abgelichtet wird, weil sie es wagt, sich mit der Cellulite im Badeanzug zu zeigen. Da gibt es Detailbilder ihres Hintern mit der Message „Kritik geht ihr am delligen Po vorbei.“ Ja sollte sie sich denn nur in einem Burkini an den Strand trauen? Und schon wieder ein gehässiger, bösartiger Kommentar – verpackt in einer „Wir finden das ja ganz toll“-Hülle.

Auch ich habe Cellulite und trage natürlich trotzdem normale Badekleidung. Aber würde man meinen fast nackten, im schlechtmöglichsten Licht fotografierten Hintern in einer Zeitschrift (Gott sei Dank bin ich kein Promi!) abdrucken und mit solch einem Kommentar garnieren, dann würde mich das ehrlich gesagt ziemlich runterziehen. Ich stelle mir diesen Druck, der in Hollywoodkreisen herrscht, abartig vor und kann mir nicht vorstellen, dass das Selbstbewusstsein von irgendwem sooooo unendlich groß ist, dass jeglicher Kommentar (sei es im Bezug auf den Körper oder das privateste Privatleben – zweiteres ist noch viel schlimmer, aber in der heutigen Kolumne geht es um die Äußerlichkeiten) komplett am Allerwertesten vorbeigeht.

„Die Problemzonen der Stars“ – ein äußerst beliebtes Thema. Und falls der Körper eines Topmodels perfekt ist (in diesem Falle ist die Definition von „perfekt“ dieses eine, von der Modewelt festgelegte „Perfekt“), wird sich eben auf die Haut gestürzt, die aufgrund jobbedingter Schichten von Make-up etwas unrein ist. Oder die Füße (gnadenlos wird auf den Hallux gezoomt), oder der Bauchnabel. Oh ja, der vermeintliche Makel von Supermodel Karolina Kurkova ist der fehlende bzw. sehr dezente Bachnabel. Wer um Himmels Willen hat denn jemals festgelegt, wie der perfekte Bauchnabel auszusehen hat?

Und nein, nur weil jemand „eine Person des öffentlichen Lebens ist“ sollte nicht alle Welt ständig über das Gewicht dieser Frau reden. Was genau will ein Magazin mit einer Bildergalerie „Stars in der Jojofalle“ bewirken? Dass wir „normalen Frauen“ uns besser fühlen?

Wieso überhaupt müssen die Körper dieser prominenten Frauen stets kommentiert werden? Sollte man mittlerweile, nachdem all die schlimmen Wahrheiten rund um den in der Mode- und Schauspielbranche herrschenden Magerwahn längst bekannt sind, nicht eigentlich schlauer sein?

Ich wünsche mir, dass in der Medienwelt nicht mehr nur so getan wird, als wäre es in Ordnung, nicht der Size Zero Norm zu entsprechen – inklusive kleinem Seitenhieb. Sondern dass es wirklich endlich normal ist, dass auch Frauen in der Öffentlichkeit verschiedene Körpermaße haben. Und dass das keine Meldung mehr wert ist. Schönheit und die damit verbundene Ausstrahlung und ja auch der Sex-Appeal (um wieder am Anfang anzuknüpfen) ist so vielfältig und hat nichts, absolut gar nichts mit einer bestimmten Kleidergröße zu tun. Punkt.


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8 COMMENTS

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    2018
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    S
    Sabrina

    Ja solche Zeitschriften sind doch immer gleich aufgebaut, S. 1 „Die neue Kohldiät“, S. 2 „Das perfekte Makeup“(weil ohne, geht ja nicht), S. 3 „Tortenrezepte“, S. 4 „Das neue Selbstbewusstsein“. Völlig sinnfrei.
    Toller Artikel! Leider gehts nur um size zero und junge Mädchen, die Topmodel schauen, bekommen ein völlig falsches Bild vom Körper.

  • 11
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    2018
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    J
    Jana Nikodem

    Ich finde es super, dass du mehr Persönliches schreibst ♥

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    2018
    18
    V
    Verena

    Ich kann dir absolut zustimmen!Allerdings denke ich auch,dass das Thema wie unperfekt auch Stars aussehen können,super bei vielen Leserinnen ankommen muss. Bestimmt analysieren die Redakteure welche Themen gut ankommen und das scheint wohl eins davon zu sein,da so oft darüber berichtet wird. Ich kann mir nämlich gut vorstellen, dass das Aufzeigen von angeblichen Makeln bei Stars viele Frauen in gewissen Maßen beruhigt und sie sich dadurch besser fühlen.

  • 12
    12
    2018
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    S
    Sandra

    Wow, wirklich ein toller Post und meiner Meinung nach auf den Punkt gebracht. Dieses Thema ist und bleibt einfach die Nr. 1, vor allem wenn man als Person in der Öffentlichkeit steht. Leider traurig, das man immer perfekt sein „muss“, obwohl man wirklich mal einfach nur so sein möchte, wie man sich fühlt. Ich glaube, das es immer schlimmer werden wird, da auch der Druck größer wird.
    Man kann nur hoffen, das so viele Frauen wie möglich sich so mögen, wie sie sind und sich nicht von solchen Artikeln und Bildern beirren lassen.
    Du kannst gerne mehr solcher Artikel in dieser Richtung schreiben :)

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    A

    Dieses ‚wir mögen sie auch mit ein paar kg‘ finde ich auch schlimm. Das ist einfach nur scheinheilig, mehr nicht. Schön, dass Du das ansprichst.

    Liebe Grüße
    Anna

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    2018
    18
    M
    Marla

    Wohl wahr! By the way ist allerdings anzumerken, dass viele sogenannte Berühmtheiten ihre Prominenz mehr oder weniger getunter und omnipräsenter Äußerlichkeit verdanken. Da wundert es kaum, wenn einschlägige Magazine unverhohlen Häme kübeln, um scheinbar Normalität zu feiern, wenn irgendein Promi sich im Alltagslook erwischen lässt und das Foto unbearbeitet veröffentlicht wird. Die Message lautet: Schau her, die/der ist gar nicht ever Top, sondern auch mal Flop, genau wie du. Bezeichnenderweise stehen dabei bevorzugt angebliche Kilos, unfrisiertes Haar, müder Blick, eben alles, was nicht gefällig ist, im Fokus. Solange es einen Markt für dieses Mainstreaming gibt, wird er auch bedient werden.

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    2018
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    A
    Ann-Sophie

    Super geschrieben!

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