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Über gesunden Egoismus

Egoismus. Ein Wort, das bei mir schon immer negativ behaftet war. Und Egoismus im Sinne von Egozentrik oder gar Narzissmus ist das mit Sicherheit auch. Das Wort „Egoist“ wird gerne mal als Beleidigung verwendet und hinterlässt einen unschönen Beigeschmack.

Und stets auf den eigenen Vorteil aus zu sein, ganz ohne Rücksicht auf die Konsequenzen für seine Mitmenschen, das ist auch durchaus eine negative Eigenschaft.

Aber es gibt da etwas, wovon wir alle eine große Portion gebrauchen können: gesunder Egoismus. Was ich in den letzten Jahren lernen musste: Es gibt Situationen, in denen man das eigene Wohl an die allererste Stelle stellen sollte. Ohne Rücksicht auf die Wünsche von anderen Menschen. Es geht nicht darum, anderen Personen den eigenen Willen aufzuzwingen, sondern auf die eigenen Bedürfnisse zu achten. Die Fähigkeit, Grenzen zu setzen. Egoismus im richtigen Maß.

Gesunder Egoismus ist ganz eng mit „Nein sagen“ verbunden. Und wow, das ist manchmal so unglaublich schwierig. Denn es bedeutet auch, ab und an andere Menschen zu enttäuschen. Wusstet ihr, dass es statistisch gesehen uns Frauen deutlich schwerer fällt, Nein zu sagen? Ich möchte jetzt nicht mit dem Patriarchat ankommen (dieses Thema benötigt seine eigene Kolumne). Aber es ist schon etwas dran, dass man bereits als kleines Mädchen von der Gesellschaft eingetrichtert bekommt, man solle sich anpassen. Es sei besonders erstrebenswert, gemocht zu werden.

Ich würde sagen, dass ich definitiv eine große Prise „People Pleaser“ in mir trage. Das letzte Stück Kuchen IMMER der anderen Person übergeben würde, die Bitte um einen Gefallen nur schwer ausschlagen kann. Bei banalen Dingen wie dem Kuchenbeispiel ist das auch vollkommen okay, wenn es von der anderen Person geschätzt wird. Aber es gibt da die Gefallen, die man nur einer anderen Person zuliebe macht und bereits im Moment des Ja-Sagens merkt, dass es einem selbst nicht guttun wird.

In der Vergangenheit habe ich schon oftmals den Kürzeren gezogen, damit eine andere Person nicht benachteiligt wird. Das ist bei ganz besonderen Herzensmenschen auch sicherlich mal in Ordnung, wenn man der besten Freundin eine große Freude macht, indem man ihr den Vorteil überlässt. Den Eltern, den Kindern, dem Partner.

Aber man sollte darüber hinaus niemals zu etwas Ja sagen, einfach nur, um anderen zu gefallen. Sich nicht ausnutzen lassen. Im privaten wie im beruflichen Umfeld. Aus einer Drucksituation heraus zu etwas Ja sagen, was man gar nicht möchte. Das ist durch und durch falsch.

Gesunder Egoismus bedeutet nicht, nur an sich zu denken. Aber eben auch an sich. In den richtigen Situationen mehr an sich als an andere Menschen. An das eigene Seelenwohl. Es bedeutet, auf die eigenen Bedürfnisse zu achten und für sich einzustehen.

Das eigene Seelenwohl an die erste Stelle zu stellen, ohne dabei andere Menschen zu verletzen.

Ein Balanceakt – wie so vieles im Leben. Es geht um die richtige Dosis Egoismus. Die goldene Mitte von purem Egoismus und Altruismus. Gesunder Egoismus. Und ganz ehrlich? Im richtigen Moment Nein zu sagen tut nicht weh. Man ist ganz gewiss kein schlechter Mensch, wenn man sich für das eigene Seelenwohl gegen etwas entscheidet. Nicht auf die Party geht. Die Bitte um einen zeitintensiven Gefallen ausschlägt. Ausspricht, wenn man sich bewusst gegen etwas entschieden hat. Und die richtigen Menschen in unserem Leben werden diese Entscheidungen auch immer akzeptieren. Ein kostbares Learning der letzten Jahre.

PS: Guten Input zum Thema „Nein sagen lernen“ findet ihr übrigens bei Sue.

PPS: Unbedingt „Die Let-Them-Theorie“ von Mel Robbins lesen! Das Buch enthält so viele wertvolle Impulse – und zwar für jede/n von uns!


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