Es vergeht eigentlich kaum ein Tag, an dem wir nicht „einen schönen Urlaub“ gewünscht bekommen. Nicht mehr so häufig aus unserem direkten Umfeld, aber in Form von persönlichen Nachrichten auf Instagram: eine Frage zum Hotel, in dem wir gerade arbeiten mit dem Zusatz „Habt noch einen schönen Urlaub!“
Meist muss ich darüber schmunzeln, manchmal trifft es aber auch einen Nerv. Etwa als ich im Juli urlaubsreif mit Laptop vor mir auf dem Balkon saß, während draußen andere im See badeten. Ich musste dringend ein Kundenprojekt fertigstellen, war super müde und schaute dabei sehnsüchtig aufs Wasser. Wie sehr ich mich in diesem Moment danach sehnte, einfach nur privat am See zu liegen, ein Buch zu lesen und mich dem süßen Nichtstun hinzugeben (Hach, wie schön es war, im letzten Monat wirklich ein paar perfekte Sommer-am-See-Urlaubstage zu verbringen …).
Nicht falsch verstehen: Ich liebe unseren Job so, so sehr! Selbstverständlich weiß ich, welche Privilegien er mit sich bringt. Und ich bin unglaublich dankbar, dass wir in diesem Jahr so viele tolle Projekte umsetzen dürfen und die Hotelfotografie mittlerweile fest als zweites Standbein etablieren konnten.
Für viele bedeutet „an einem schönen Ort in einem Hotel schlafen“ automatisch auch: Urlaub machen! Spoiler: ist es nicht.
Wenn wir als Reisebloggerin und Fotograf von einem Hotel oder einer Destination gebucht sind, um einen Artikel für Josie loves zu schreiben oder Content für unsere Social-Media-Kanäle zu erstellen, dann geht es im Gegensatz zur reinen Hotelfotografie meist auch darum, die Dinge wirklich zu erleben. Sprich: all das zu testen, was wir euch zeigen.
Meist sind wir drei Nächte vor Ort, also zwei volle Tage. In der Zeit versuchen wir so viel wie möglich zu sehen und zu testen. Ein langer Spaaufenthalt, wie er in einem Wellnesshotel eigentlich üblich wäre, ist dann natürlich nicht drin. Aber das ist auch vollkommen okay, denn es geht darum, in alles mal „reinzuschnuppern“ und euch zu zeigen, was in diesen Hotels möglich ist.
Wichtig ist uns immer, authentisch zu bleiben. Euch nur das zu zeigen, wofür wir wirklich stehen und was wir auch ehrlich empfehlen können. Ich verrate jetzt nicht, in welchem Hotel das war, aber vor kurzem sollten wir Fleischgerichte serviert bekommen – nur fürs Foto (da wir uns ja eigentlich vegetarisch ernähren), um sie danach „gern an andere Gäste weiterzugeben“. Wir haben höflich abgelehnt.
Ja, manchmal entstehen dabei durchaus amüsante Diskussionen. Aber für uns steht an allererster Stelle, euch einen echten, persönlichen Blick auf die einzelnen Häuser zu geben.
Worin die meiste Arbeit steckt? In den Bildern für unsere Reisegeschichten. Denn sie entstehen nicht einfach so nebenbei, sondern sind das Ergebnis von stundenlanger Arbeit. Insbesondere Wellnessbereiche sind super sensibel, denn oberste Priorität hat es für uns immer, keine anderen Gäste zu stören. Das heißt, wir fotografieren außerhalb der eigentlichen Öffnungszeiten und dürfen zum Beispiel morgens schon um 7 Uhr ins Spa, wenn es offiziell erst um 9 Uhr öffnet.
Endgegner sind übrigens immer die Pools, die von 6 Uhr bis 21 Uhr geöffnet sind. Manchmal stehen wir 20 Mal am Beckenrand, um ihn einmal leer zu erwischen. Und dann muss auch noch das Licht passen.
Eine Riesen-Challenge sind Regentage, wenn man eigentlich eine Sommerstory erzählen möchte. Nein, ein schönes, professionelles Bild von einem Außenpool entsteht nicht „einfach so nebenbei“.

Meist sind wir bei Pressereisen von morgens bis abends unterwegs, führen Gespräche, fotografieren und „erleben“. Sind ständig „on“. Nach dem Abendessen heißt es dann: Fotos bearbeiten, Mails beantworten und alles nachholen, was tagsüber liegengeblieben ist. Am nächsten Morgen geht es wieder früh los. Glücklich über diesen abwechslungsreichen Alltag – aber gewiss nicht erholt, wie nach einem Urlaub.
Das „selbst erleben“ bleibt natürlich aus, wenn wir ausschließlich für Hotelfotografie gebucht sind. Dann sind wir von morgens bis abends mit einem strengen Shootingplan unterwegs: Zimmer, Wellnessbereiche, Restaurants, das Hotelteam. Chris ist der Fotograf, ich bin ein bisschen „Mädchen für alles“: Fotoassistentin, mal Model, mal diejenige, die den Models die Bildidee erklärt und einem schlichten Motiv mit Accessoires Leben einhaucht. Ein Wasserglas hier, ein Coffee Table Book dort, ein Kissen, ein Weekender … ihr könnt euch nicht vorstellen, wie viel solche Details beim Bild eines Hotelzimmers bewirken. Ein Bett so herrlich nach „gerade aufgestanden“ aussehen zu lassen ist übrigens auch eine echte Challenge.

Und ja, uns macht dieser Job unglaublich viel Spaß! Das kreative Arbeiten, die Orte und Menschen, die wir kennenlernen, die Blicke hinter die Kulissen, die vielen Gespräche, der Blick über den Tellerrand.
Aber: das alles hat genauso wenig mit Urlaub im Sinne von Abschalten zu tun wie Geschäftsreisen in anderen Jobs. Nur dass unsere Geschäftsreisen uns oft an die schönsten Orte führen. Und das größte Privileg ist es, am Abend eines langen Arbeitstages mit Chris und Fiete am Meer oder in den Bergen spazieren zu gehen.
Wisst ihr, was mittlerweile für uns „so richtiger Urlaub“ ist? In den Tag reinleben. Keine Pläne. Kein Wecker. Erst recht kein Laptop. Das Smartphone maximal für private Nachrichten und ein paar Fotos nutzen. Einfach nichts machen müssen. Nur können. Dürfen. Und das alles am liebsten am Wasser und mit einer Extra-Portion Sonne.
