Ich muss ein bisschen schmunzeln, während ich das hier tippe, denn in diesem Satz steckt wirklich maximal viel Klischee: Aber ja, wir Deutschen lieben es, uns zu beschweren. Am allerliebsten über das Wetter.
Ich versuche zwar, nicht ständig mitzumeckern, aber ganz gelingt mir das natürlich auch nicht. Manchmal muss man einfach kurz übers Wetter schimpfen. Und Hallelujah, hatten wir in diesem Jahr bislang ein ziemliches Reisewetterpech.
Da war der Januar in Portugal mit zwei Wochen Dauerregen. Der Februar in London, ebenfalls grau und nass. Und dann noch diverse Fotografieprojekte in Deutschland und Österreich, bei denen Regen gefühlt ungebetener Dauergast war.
Aber (und darum soll es hier heute eigentlich gehen) es gab eben auch das genaue Gegenteil.
Vor kurzem waren wir für eine Frühlings-Fotoproduktion in Südtirol. Die Wettervorhersage sah alles andere als vielversprechend aus. Wir hatten zwei volle Produktionstage eingeplant und bangten ziemlich um die sonnige, leichte Stimmung, die wir für die gewünschten Motive so dringend brauchten.
Long story short: Am Ende hatten wir zwei Tage Sonne satt. Wir konnten die schönsten frühlingshaften Motive fotografieren, inklusive Eis in der Sonne, goldenem Licht und genau dieser Leichtigkeit, die wir uns erhofft hatten. Und keine halbe Stunde nach dem letzten Motiv begann der schlimmste Schneeregen, den man sich nur vorstellen kann. Was hatten wir bitte für ein Wetterglück!
Noch schöner war es vergangene Woche auf Menorca. Wir waren uns zunächst unsicher, ob April wirklich die richtige Reisezeit für die Insel ist. Menorcas Klima ist stark von Winden geprägt, und anders als auf Mallorca kann es dort deshalb schnell mal etwas kühler und ungemütlicher werden – gerade im Frühling.
It turned out: Wir hatten eine Woche Sommerwetter. Vor Ort sagten uns mehrere Menschen, dass es sich aktuell eher nach Juni anfühle als nach April. Was hatten wir für ein Glück!
Und genau das war etwas, das ich dort jeden Tag ganz bewusst laut ausgesprochen habe. Weil ich glaube, dass das genauso wichtig (nein, wichtiger!) ist wie das Beschweren, wenn etwas nicht läuft.
Wir sind oft sehr gut darin, Pech sofort zu benennen. Schlechte Erfahrungen teilen wir schnell. Wenn etwas schiefläuft, formulieren wir das meist glasklar und ohne Zögern.
Aber wie oft sagen wir eigentlich genauso bewusst: Wow, das ist gerade wirklich richtig gut. Was für ein Glück! Wie schön ist das bitte?
Nicht nur meckern, wenn es regnet. Im übertragenen wie im wörtlichen Sinne. Sondern auch feiern, wenn die Sonne scheint. Ihr merkt schon: Ich spreche längst nicht mehr nur übers Wetter.
Es geht um alle Bereiche des Lebens. Nicht nur die negative Bewertung schreiben, wenn etwas schlecht lief, sondern auch die positive Rezension dalassen, wenn etwas richtig gut war. Wertschätzen, wenn Dinge funktionieren. Wahrnehmen, wenn etwas gelingt. Sich bewusst machen, wenn man gerade einfach Glück hat. Wenn etwas nicht nur gut läuft, sondern so viel besser als gedacht.
In unserer Gesellschaft benennen wir Negatives oft sofort. Glück hingegen haken wir viel zu schnell als selbstverständlich ab. Dabei verdient es mindestens genauso viel Aufmerksamkeit. Nicht, um alles künstlich positiv zu färben oder Schwierigkeiten kleinzureden. Sondern einfach, um die Balance nicht zu verlieren.
Denn manchmal haben wir Pech. Und manchmal haben wir einfach unfassbar viel Glück. Mit dem Wetter, mit Begegnungen, mit Timing, mit kleinen und großen Dingen, die genau im richtigen Moment zusammenkommen. An dieser Stelle übrigens ein passender Lese-Tipp: Ein großes Stück Glück
Über Pech sprechen wir meistens laut genug. Und es ist allerhöchste Zeit, auch Glück ein bisschen mehr Raum zu geben.
