Im vergangenen Monat reisten wir hier gemeinsam ins Jahr 2016, und in diesem Zuge stieß ich auch auf einen Artikel, den ich in ebendiesem Jahr mit Blick auf das Bloggen in der Zukunft schrieb.
Zusammen mit Kolleginnen und Kollegen aus der damaligen Blogosphäre überlegte ich 2016, wie sehr sich unser Job in den kommenden Jahren verändern würde.
Zur kurzen Einordnung: als der Artikel online ging, hatte Instagram zwar schon eine gewisse Relevanz, aber meist als Ergänzung der klassischen Blogs. Instagram Stories zum Beispiel wurden erst wenige Monate vor dem Artikel gelauncht und spielten zu diesem Zeitpunkt noch eine eher kleinere Rolle. Die Möglichkeit, einen Link zu setzen, gab es noch gar nicht. In den Jahren darauf veränderten diese grundlegegend die Möglichkeit des Influencer-Marketings. Ebenso Reels, die erst im Jahr 2020 online gingen. Kaum zu glauben, dass es vor wenigen Jahren noch ein Internet ohne diese schnelllebigen Videos gab. YouTube hingegen stand 2016 sehr hoch im Kurs. Und kurzfristig war 2016 Snapchat ein Riesen-Ding. Die 24 Stunden Sichtbarkeit, die letztendlich auch die Grundlage der Instagram Stories waren.
„Vor kurzem habe ich bei Snapchat die Eröffnung des neuen L’Oreal Stores in Paris verfolgt und dabei ist mir ein Satz besonders im Gedächtnis geblieben: “ Jetzt werden im Store noch normale Models für die Plakate verwendet, diese werden aber bald alle durch Influencer ersetzt.“
… so Sophia Thorer in unserem damaligen Artikel. Wie selbstverständlich es mittlerweile ist, dass alles live gestreamt wird und dass Models aufgrund ihrer Social Media Reichweite gebucht werden.
Ganz so drastisch, wie Sue es damals prognostiziert hat, ist es (noch) nicht, aber ja, es ging definitiv in diese Richtung:
„Ich glaube Blogger werden in Zukunft leider weniger schreiben. Stattdessen werden sie mit Brillen oder einem Sticker im Gesicht herumlaufen und ihr Leben livestreamen. Lesen wird dann so „2000“ sein. Leider… “
Amandine von Les Berlinettes traf es damals mit ihrer Prognose genau auf den Punkt:
„Videos sind zur Zeit sehr gefragt. Ich denke, vor allen Dingen Live Videos werden immer populärer. Snapchat ist bei jungen Leuten schon sehr gut angekommen und ich denke solch eine Art von Live Reporting wird immer mehr Platz bekommen. Die Leute konsumieren sehr gerne sehr schnell und ich kann mir vorstellen, dass in der Zukunft jeder eine Art Live Reporter sein kann und berichtet, was ihn gerade interessiert oder wo er gerade ist.“
Und ja, ich persönlich widerum lag mit dieser hier eindeutig falsch:
„Ich bin mir jedoch sehr sicher, dass die momentan unglaublich große Instagram-Blase bald platzen wird. Der Kauf von Fake-Followern nimmt mittlerweile Überhand und es wird irgendwann die Tools geben (die es zum Teil übrigens jetzt schon gibt), die 100% nachweisen können, wer bei seiner Followerzahl künstlich nachgeholfen hat. Die Firmen stecken momentan einfach zu viel Geld in Instagram und ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass sie diesen „Betrug“ langfristig blind hinnehmen werden.“
Geplatzt ist ganz sicher nichts. Und es ist – auf eine eher negative Art – faszinierend zu sehen, wie viele große Influencer-Karrieren auf anfänglichen Follower-Käufen basieren. Hätte ich mit dem heutigen Wissen etwas anders gemacht? Nein. Denn meine eigenen Werte waren mir stets wichtiger als Erfolg um jeden Preis. Aber mit ehrlicher Arbeit hatte man in den vergangenen zehn Jahren teilweise definitiv andere Hürden. Und es forderte mich zeitweise mental sehr heraus, mir selbst treu zu bleiben und die Balance zu halten zwischen „mich nicht verbiegen“ und „Neuem gegenüber offen sein“.
Vermutlich hätte ich mit dem heutigen Wissen vor zehn Jahren deutlich mehr Energie in unseren Instagram-Account gesteckt und ihn nicht nur nebenbei betrieben. Andererseits haben wir in den Jahren danach enorm davon profitiert, welche große Reichweite wir mit dem Blog aufgebaut hatten – und dass wir uns damit klar abhoben. Ich werde nie den Satz vergessen, den mir 2018 das Beauty-Team einer bedeutenden Agentur sagte: „Bei allen anderen buchen wir Instagram, bei euch die Blogposts.“ Es gab viele großartige Blog-Jahre, und sie konnten nur existieren, weil wir so unendlich viel Zeit und Herzblut in Josie loves gesteckt haben. Auch heute ist der Blog noch unser USP.
Interessant fand ich auch diese Aussage der 2016-Sarah: „Und auch wenn ich fest daran glaube, noch ganz lange diesen Blog zu schreiben, so weiß ich natürlich nicht, wie sich der monetäre Aspekt entwickeln wird. Kann ich in sechs Jahren noch von Josie loves leben? Ehrlich gesagt habe ich keine Ahnung. Ich kann hart dafür arbeiten, aber letztendlich liegt es nicht nur in meiner Hand. Deshalb ist es mir wichtig, neben dem Bloggen nach wie vor mein Standbein als freie Redakteurin aufrecht zu erhalten.“
Zehn Jahre später ist der Blog tatsächlich immer noch mein Herzensprojekt und hat nach wie vor eine beachtliche Reichweite, aber ganz offen gesagt ist der Zeitpunkt, zu dem Chris und ich primär vom Blog gelebt haben, vorbei. Ist der Blog nach wie vor noch ein wichtiger Bestandteil unseres Jobs und hat auch noch Relevanz? Ganz klar: Ja! Allerdings mit dem heutigen Reisefokus. Ein Modeblog würde im Jahr 2026 nicht mehr funktionieren. Glücklicherweise war dies auch unsere persönliche Entwicklung, dass wir uns im Reisebereich so viel mehr Zuhause fühlen.
Viele Kunden, die früher Blogartikel gebucht haben, setzen inzwischen auch bei uns ausschließlich auf Instagram-Content. Eine Entwicklung, die wir angenommen haben und die auch bedeutet, dass hier mittlerweile weniger Artikel online gehen, als dies noch 2016 der Fall war, da viele zeitliche Kapazitäten in Social Media fließen. Außerdem ist mittlerweile die Hotelfotografie unser zweites Standbein. Und das wiederum ist ebenfalls aus dem Reiseblog entstanden – denn dadurch lernten Kunden unser Portfolio kennen.
Die Onlinewelt entwickelt sich rasend schnell, und es gibt jeden Tag Neues: neue Chancen, neue Struggles. Eine klare Erkenntnis bleibt: Nicht alles passt zu jedem, und man muss nicht auf jeder virtuellen Party mittanzen. Entscheidend ist, welche Zielgruppe man ansprechen möchte. Für uns bedeutet das Blog, Instagram und Fotografie – für andere TikTok und Insagram.
Ganz ehrlich? Wir haben in den Nach-Corona-Jahren bewusst Kapitel geschlossen und dafür neue geöffnet. Und 2025 war nach vielen Herausforderungen in den Jahren zuvor eines der erfüllendsten Jahre meines gesamten Berufslebens. All der Fleiß, die Arbeit, das Dranbleiben und Sich-selbst-treu-Bleiben haben sich so sehr ausgezahlt. Und ich bin zutiefst dankbar und stolz darauf, dass Chris und ich unseren ganz eigenen Platz in dieser schnelllebigen Welt gefunden haben und weiterhin unserer beruflichen Leidenschaft nachgehen dürfen – offen für Neues und Weiterentwicklung, aber mit klarem Blick auf das, was uns wirklich ausmacht, was wir können und was nicht.
Danke an alle, die sich nach wie vor die Zeit nehmen, diesen und andere Blogs zu lesen. Das bedeutet uns so viel.
