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Ein halbes Leben „erwachsen“

Kurz vor meinem 36. Geburtstag im Sommer kam mir der Gedanke, dass es genau 18 Jahre her ist, dass ich meinen 18. Geburtstag feierte und offiziell „erwachsen“ wurde. In der Sonne Südtirols ließ ich mein bisheriges Erwachsenenleben Revue passieren.

Wirklich relevant im Zusammenhang mit meiner Volljährigkeit war im Jahr 2004 für mich in erster Linie, dass ich endlich Auto fahren durfte und am Clubeingang bei der Ausweiskontrolle nicht mehr zittern musste. Mit 18 darf man ganz offiziell hochprozentigen Alkohol trinken. Das war als Teenie sehr erstrebenswert, denn lange Partynächte ohne jeglichen Widerspruch der Eltern standen immer ganz oben auf der „wenn ich endlich erwachsen bin“-Liste. Das Wahlrecht und all die anderen „ernsten“ Dinge, die meine Volljährigkeit mit sich brachten, tangierten mich eher peripher. Sicherlich ein Indiz dafür, dass ich mit 18 immer noch ein Teenager war. Näher am Kind als am wirklichen Erwachsensein. Rückblickend betrachtet muss ich schon schmunzeln, für wie reif und erwachsen ich mich hielt, als ich endlich 18 wurde. Diese magische Zahl, die man knacken musste, um endlich all das machen zu können, von dem man träumte.

Letztendlich ist doch absolut widersprüchlich, dass man noch zur Schule geht oder gerade eine Ausbildung absolviert, wenn man laut Gesetz erwachsen wird. Wie weit man zu dem Zeitpunkt doch noch von dem Erwachsensein entfernt ist. Von all den Pflichten, der Verantwortung und Entscheidungen. Das Erwachsenwerden ist ein Prozess. Etwas, das gewiss nicht an einen bestimmten Geburtstag geknüpft werden kann. Jeder wird in einem anderen Tempo erwachsen. Die einen können es sich leisten, noch sehr lange unbeschwert in dieser „vom Kind zum Erwachsenen“-Übergangszeit zu verbringen, die anderen müssen aufgrund eines Schicksalsschlag von einem Moment auf den anderen erwachsen werden. Ich hatte das Glück, meine kindliche Naivität nicht zu früh abgeben zu müssen.

Doch wie unterscheidet sich die 36-jährige Sarah von ihrem 18-jährigen Ich? Sind ihre Träume in Erfüllung gegangen? Im Gegensatz zu den meisten meiner Schulfreundinnen wusste ich schon mit 18 ganz genau, was ich machen möchte. Nach München ziehen und als Moderedakteurin bei einem Print-Magazin arbeiten. Bekanntlich bin ich tatsächlich in München gelandet und startete damals auch bei einem Print-Magazin. Doch danach schrieb das Leben eine ganz andere Geschichte für mich. Same same but different. Außerdem veränderte die Digitalisierung in diesen 18 Jahren unsere Welt so gravierend, wie es wohl niemand hätte erahnen können. Fun Fact: Als ich 18 wurde, war das iPhone noch nicht auf dem Markt.

Die ersten Jahre in München mit all ihren Hochs und Tiefs, wunderschönen und ernüchternden Erlebnissen, den Desillusionen und Herausforderungen des Lebens trugen definitiv zum Erwachsenwerden bei. Doch wirklich erwachsen wurde ich vermutlich erst während unserer Weltreise. Zehn Jahre nach meinem Geburtstag, mit dem ich die Volljährigkeit erreichte. Erwachsensein hat nur bedingt mit den äußeren Umständen zu tun, sondern vielmehr mit unserem Inneren. Mit den Entscheidungen, die wir treffen. Dem Gefühl, angekommen zu sein. Dem „ich weiß, wer ich bin“.

Glück ist das höchste Gut, nach dem wir alle streben. Als sehr junger Mensch kann man oftmals noch nicht ganz greifen, was für das persönliche Glück verantwortlich sein wird. Am einen Tag strebt man nach diesem, am nächsten Tag nach jenem. Erwachsensein bedeutet für mich auch zu wissen, wer und was mir gut tut. Was mich glücklich macht und was diesem Lebensglück im Weg steht. Das weiß ich mit 36 so viel besser als damals. Privates Glück wird für mich immer vor beruflichem Erfolg stehen. Und dass beides durch die gemeinsame Selbständigkeit mit Chris seit Jahren Hand in Hand gehen darf, hätte ich mir mit 18 niemals zu erträumen gewagt.

Was mir beim Schreiben dieser Kolumne wieder einmal bewusst wurde? Vielleicht ist Vieles anders gekommen als vor 18 Jahren gedacht, aber meine Werte sind stets die gleichen geblieben. Egal, wie überwältigend die äußeren Einflüsse auch waren. Mir war es zu jedem Zeitpunkt wichtig, mir selbst und diesen Werten treu zu bleiben – auch wenn dies beruflich vielleicht nicht immer clever war. Und deshalb bin ich sicher, dass die 18-jährige Sarah die heutige Version sehr gerne mögen würde. Aber sie wäre schon ziemlich verwirrt, wenn sie all die flachen Schuhe in ihrer Garderobe sehen würde.

PS: Die Phase mit dem „ich kann so viel feiern wie ich möchte“ dauerte übrigens genau eineinhalb Jahre an. Ich will sie nicht missen, dennoch war spätestens nach dem Ende der Schulzeit für mich klar, dass es so viel Wichtigeres gibt, als Donnerstag, Freitag und Samstagabend in einem Club zu verbringen. Und wie ich heutzutage über „Die Sache mit dem Alkohol“ denke? Darüber hatte ich hier geschrieben.

PPS: Die schönste und wichtigste Konstante in all diesen Jahren? Chris an meiner Seite.


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2 Kommentare

  • 21
    10
    2022
    22
    K
    KRISSY

    ❤️

  • 22
    10
    2022
    22
    C
    Clara

    So schön geschrieben!

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